VITUS Privatklinik

Tumor-Genomsequenzierung bei Prostatakrebs

Mehr Präzision in der Prostatakrebs-Diagnostik

Entdecken Sie unser neues 3-Tesla-MRT →

Weihnachtsgrüße aus der Vitus Privatklinik!

Bitte beachten Sie, dass unsere Klinik vom 23.12.2024 bis 03.01.2025 geschlossen ist.

Wir sind jedoch immer für Sie da - Sie können uns gerne über unser Kontaktformular oder per E-Mail kontaktieren, und wir werden uns so schnell wie möglich bei Ihnen melden.
Wir wünschen Ihnen ein frohes Fest!

Kontakt

FORTSCHRITTE IN DER BEHANDLUNG VON PROSTATAKREBS

Von „alle Tumoren sind gleich“ zur individualisierten Präzisionsonkologie

Viele Urologen betrachten Prostatakrebs noch immer als eine Tumorart: eine Erkrankung, die operativ entfernt werden sollte, meist durch eine radikale Prostatektomie, und anschließend, falls notwendig, mit Bestrahlung oder Hormontherapie behandelt wird.

Doch die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt.

Die Tumor-Genomsequenzierung liefert heute detaillierte Informationen über den spezifischen Prostatakrebs eines Patienten – über sein biologisches Verhalten, seine Aggressivität und seine Verwundbarkeiten gegenüber bestimmten Behandlungen. Diese Technologie analysiert die DNA, manchmal auch die RNA, der Krebszellen, um Mutationen, Deletionen, Umlagerungen und Signalstörungen zu erkennen, die Tumorwachstum, Therapieresistenz und Metastasierung antreiben.

Das Ziel ist es, sich von der Vorstellung zu lösen, dass „alle Prostatakarzinome ähnlich behandelt werden sollten“, und sich hin zur Präzisionsonkologie zu bewegen: einer Behandlung, die zur Biologie des individuellen Tumors passt.

Der Vorteil ist klar: bessere und wirksamere Behandlungsmöglichkeiten für Prostatakrebspatienten, potenziell mit weniger Nebenwirkungen als viele Standardtherapien. Für manche Patienten kann dies längeres Überleben bedeuten – selbst bei aggressivem Prostatakrebs – und eine bessere Lebensqualität.

Auch der Nachteil ist klar: Die Behandlungsmöglichkeiten sind äußerst komplex geworden. Kosten, begrenzte Verfügbarkeit und die rasante Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschritts bedeuten, dass viele Urologen und Kliniken Schwierigkeiten haben, mit dem Schritt zu halten, was heute bereits möglich ist.

In der VITUS Privatklinik setzen wir seit vielen Jahren auf den Fortschritt in der Prostatakrebstherapie. Wir gehören zu den Pionieren der Prostata-MRT, abskopaler Elektroporationsbehandlungen und immuntherapeutischer Ansätze. Für uns ist individualisierte Medizin keine Bedrohung – sondern eine faszinierende Welt neuer Möglichkeiten für unsere Patienten.

Wenn Sie an Prostatakrebs leiden und Zugang zu einer fortschrittlichen, personalisierten Therapie suchen, sprechen Sie mit uns. Es ist ein kleiner Schritt, der Ihr Leben verändern könnte.

Wie Tumor-Genomsequenzierung die Behandlung von Prostatakrebs verbessern kann

Die Behandlung von Prostatakrebs hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Früher richteten sich Therapieentscheidungen vor allem nach dem Tumorstadium, dem PSA-Wert, dem Gleason-Score und der Frage, ob der Krebs noch auf Hormonentzug anspricht. Diese Faktoren sind weiterhin sehr wichtig. Heute kommt jedoch zunehmend eine weitere Ebene hinzu: die molekulare Analyse des Tumors. Dabei wird untersucht, welche genetischen Veränderungen in den Krebszellen vorliegen. Diese sogenannte Tumor-Genomsequenzierung kann helfen, die Biologie eines Prostatakarzinoms besser zu verstehen und Therapien gezielter auszuwählen.

Wichtig ist: Eine Genomsequenzierung bedeutet nicht automatisch, dass sich sofort eine passende „maßgeschneiderte“ Therapie findet. Aber sie kann Hinweise geben, welche Medikamente besonders sinnvoll sein könnten, welche Behandlungen wahrscheinlich weniger gut wirken und ob eine Teilnahme an einer klinischen Studie infrage kommt. Besonders bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakrebs wird diese Form der Diagnostik immer bedeutsamer.

Defekte in der DNA-Reparatur

Warum BRCA und verwandte Gene wichtig sind

Ein zentraler Bereich der Tumor-Genomsequenzierung betrifft Gene, die an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt sind. Unsere Zellen sind ständig kleinen Schäden im Erbgut ausgesetzt. Normalerweise verfügen sie über Reparatursysteme, die solche Schäden beheben. Besonders wichtig ist die sogenannte homologe Rekombinationsreparatur, kurz HRR. Sie repariert gefährliche Doppelstrangbrüche der DNA.

Bei manchen Prostatakarzinomen sind Gene dieses Reparatursystems verändert. Dazu gehören vor allem BRCA2, außerdem BRCA1, ATM, CHEK2, PALB2 und CDK12. Besonders BRCA2 ist klinisch sehr relevant. Wenn ein Tumor solche Schäden nicht mehr gut reparieren kann, entsteht einerseits eine genetische Instabilität, die das Tumorwachstum fördern kann. Andererseits entsteht dadurch eine Schwachstelle: Die Krebszelle wird abhängig von alternativen Reparaturwegen.

Genau hier setzen sogenannte PARP-Inhibitoren an. PARP ist ein weiteres Reparaturprotein. Wird es blockiert, können Krebszellen mit bereits gestörter HRR-Reparatur DNA-Schäden nicht mehr ausreichend beheben und sterben eher ab. Beispiele für solche Medikamente sind Olaparib und Rucaparib. Bei bestimmten Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs kann der Nachweis von BRCA1/2- oder anderen HRR-Veränderungen daher direkt therapeutische Konsequenzen haben. Dies ist eines der klarsten Beispiele dafür, wie Genomsequenzierung die Behandlung tatsächlich verändern kann.


2. Veränderungen des Androgenrezeptor-Signalwegs

Prostatakrebs ist häufig stark von männlichen Geschlechtshormonen, sogenannten Androgenen, abhängig. Testosteron und verwandte Hormone aktivieren den Androgenrezeptor, der in der Krebszelle Wachstumsprogramme anschalten kann. Deshalb ist der Hormonentzug seit Jahrzehnten eine zentrale Säule der Behandlung.

Tumorzellen können jedoch Wege finden, trotz Hormonentzug weiterzuwachsen. Eine Sequenzierung oder ergänzende molekulare Diagnostik kann Hinweise auf solche Mechanismen geben. Dazu gehören eine Vermehrung des Androgenrezeptor-Gens, bestimmte Mutationen des Androgenrezeptors oder sogenannte Splice-Varianten wie AR-V7, die häufig über Bluttests beziehungsweise Liquid Biopsy oder Transkriptanalysen untersucht werden.

Diese Veränderungen können anzeigen, dass Medikamente wie Enzalutamid oder Abirateron möglicherweise schlechter oder kürzer wirken. In manchen Situationen kann dies dazu beitragen, früher über andere Strategien nachzudenken, etwa über eine Chemotherapie mit Taxanen. Die Aussage solcher Tests ist jedoch nicht immer absolut. Sie liefert Wahrscheinlichkeiten und Hinweise, keine hundertprozentigen Vorhersagen.


3. Der PI3K–AKT–PTEN-Signalweg: Die Rolle von PTEN

Ein weiterer wichtiger Bereich betrifft den sogenannten PI3K–AKT–PTEN-Signalweg. Dieser Signalweg steuert unter anderem Zellwachstum, Überleben, Stoffwechsel und Widerstandsfähigkeit von Tumorzellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gen PTEN.

PTEN ist ein sogenanntes Tumorsuppressorgen. Man kann es sich vereinfacht wie eine Bremse vorstellen. Es hält den PI3K–AKT–mTOR-Wachstumsweg unter Kontrolle. Funktioniert PTEN nicht mehr, wird diese Bremse gelöst. Die Folge kann sein, dass Tumorzellen stärker wachsen, besser überleben, leichter metastasieren und gegenüber bestimmten Therapien widerstandsfähiger werden.

PTEN-Verlust kommt bei Prostatakrebs relativ häufig vor: ungefähr bei 20–30 Prozent der lokal begrenzten Tumoren und bei bis zu etwa 50 Prozent der metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinome. „Kastrationsresistent“ bedeutet, dass der Krebs trotz sehr niedriger Testosteronwerte weiter fortschreitet.

Source: Turnham et al., Cells 2020, MDPI, licensed under CC BY 4.0.

Eine Tumor-Genomsequenzierung kann verschiedene PTEN-Veränderungen nachweisen, etwa eine Deletion, also den Verlust des Gens, eine Mutation, eine Loss-of-function-Veränderung oder einen Kopienzahlverlust. Manchmal wird PTEN auch über eine Gewebeuntersuchung mittels Immunhistochemie beurteilt. Dabei wird geprüft, ob das PTEN-Protein im Tumorgewebe noch vorhanden ist. Auch Liquid-Biopsy-Verfahren können in bestimmten Situationen Informationen liefern.

Die entscheidende Frage lautet jedoch meist nicht nur: „Ist PTEN verändert?“ Sondern eher: „Ist der PI3K–AKT-Signalweg so stark aktiviert, dass er therapeutisch angreifbar ist?“

Why PTEN matters clinically

PTEN-Verlust ist mit einer aggressiveren Tumorbiologie verbunden. Er findet sich häufiger bei Tumoren mit höherem Gleason-Grad, früherer Metastasierung, ungünstigerer Prognose und teilweise auch mit geringerer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Hormontherapien. Gleichzeitig eröffnet PTEN-Verlust eine mögliche therapeutische Schwachstelle: Tumoren ohne funktionierendes PTEN können stärker von AKT-Signalen abhängig werden.

Deshalb wurden Medikamente entwickelt, die diesen Signalweg hemmen, insbesondere AKT-Inhibitoren. Beispiele sind Ipatasertib und Capivasertib. Diese Wirkstoffe sollen die durch PTEN-Verlust aktivierte Wachstumskaskade blockieren. In klinischen Studien zeigte sich, dass Patienten mit PTEN-verlustigen Tumoren teilweise stärker von solchen AKT-Hemmern profitieren als Patienten ohne PTEN-Verlust. Besonders untersucht wurde dies bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs, häufig in Kombination mit Abirateron und weiterhin bestehender Androgendeprivation.

In klinischen Studien zeigte sich, dass Patienten mit PTEN-verlustigen Tumoren teilweise stärker von solchen AKT-Hemmern profitieren als Patienten ohne PTEN-Verlust. Besonders untersucht wurde dies bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs, häufig in Kombination mit Abirateron und weiterhin bestehender Androgendeprivation.

Biologisch ist das plausibel, weil Androgenrezeptor-Signalweg und PI3K–AKT-Signalweg miteinander verbunden sind. Tumorzellen können zwischen verschiedenen Wachstumsprogrammen wechseln: Wird der Androgenweg blockiert, kann der Tumor stärker auf PI3K/AKT-Signale ausweichen. Deshalb wird intensiv untersucht, ob eine doppelte Blockade sinnvoll ist: einerseits Hemmung der Androgensignale, andererseits Hemmung des AKT-Überlebenssignals.

Warum PTEN noch kein einfacher „Therapieschalter“ ist

Trotz dieser vielversprechenden Ansätze ist wichtig zu verstehen: PTEN funktioniert bisher nicht wie manche Zielstrukturen bei anderen Krebsarten, etwa EGFR-Mutationen beim Lungenkrebs. Dort kann eine einzelne Mutation in bestimmten Fällen sehr klar auf ein bestimmtes Medikament hinweisen. Bei PTEN ist die Situation komplexer.

Ein PTEN-Verlust bedeutet nicht automatisch, dass ein bestimmtes Medikament sicher wirkt. Die Behandlungsergebnisse sind unterschiedlich. Gründe dafür sind die biologische Vielschichtigkeit des PI3K–AKT–mTOR-Netzwerks, zusätzliche Ausweichmechanismen der Tumorzellen und die große molekulare Unterschiedlichkeit von Prostatakrebs.

PTEN ist daher derzeit eher ein Prognosemarker, ein Hinweis auf einen therapeutisch relevanten Signalweg und ein Marker für die Auswahl klinischer Studien – aber noch kein Garant für eine erfolgreiche gezielte Therapie.

Weitere genetische Befunde mit möglicher Bedeutung

Neben HRR-Defekten, Androgenrezeptor-Veränderungen und PTEN können weitere Befunde relevant sein. Dazu gehört zum Beispiel MSI-high beziehungsweise eine Mismatch-Repair-Defizienz. Solche Tumoren können besonders empfindlich gegenüber Immuntherapien wie Pembrolizumab sein.

Auch CDK12-Veränderungen können auf eine besondere, möglicherweise immunologisch aktivere Untergruppe hinweisen. SPOP-Mutationen stehen mit einer speziellen Androgenrezeptor-Biologie in Verbindung. Der gleichzeitige Verlust von TP53 und RB1 kann auf eine besonders aggressive Entwicklung hinweisen, einschließlich einer sogenannten neuroendokrinen Transformation, bei der der Tumor weniger typisch hormonabhängig wird.

Tumorsequenzierung und Keimbahnsequenzierung: ein wichtiger Unterschied

Man muss zwischen zwei Arten genetischer Untersuchungen unterscheiden. Die Tumorsequenzierung untersucht Veränderungen, die nur in den Krebszellen entstanden sind.

Die Keimbahnsequenzierung untersucht dagegen erbliche Veränderungen, die in allen Körperzellen vorhanden sind und daher auch für Angehörige relevant sein können.

Das ist besonders bei BRCA1- und BRCA2-Veränderungen wichtig. Wird eine erbliche BRCA2-Mutation gefunden, kann dies nicht nur die Therapie des Patienten beeinflussen, sondern auch Konsequenzen für Kinder, Geschwister oder andere Familienmitglieder haben. Dann können genetische Beratung und gezielte Früherkennungsmaßnahmen sinnvoll sein. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs wird daher zunehmend empfohlen, sowohl den Tumor als auch die Keimbahn zu betrachten.

Was bedeutet das praktisch für Patienten?

In der modernen Prostatakrebsbehandlung kann eine Genomsequenzierung helfen, wichtige Fragen zu beantworten: Gibt es eine DNA-Reparaturstörung, die für PARP-Inhibitoren spricht? Liegt MSI-high vor, sodass eine Immuntherapie infrage kommt? Gibt es einen PTEN-Verlust, der eine AKT-gerichtete Therapie oder eine klinische Studie interessant macht? Finden sich Androgenrezeptor-Veränderungen, die eine Resistenz gegen bestimmte Hormontherapien erklären? Gibt es Hinweise auf einen besonders aggressiven Subtyp?

Die Sequenzierung ersetzt nicht die klassische ärztliche Beurteilung. Sie ergänzt sie. Entscheidend bleibt immer die Gesamtsituation: Krankheitsstadium, Beschwerden, bisherige Therapien, Allgemeinzustand, PSA-Verlauf, Bildgebung, Gewebeuntersuchung und persönliche Ziele des Patienten.

Der große Fortschritt liegt darin, dass Prostatakrebs zunehmend nicht mehr nur als eine einzige Erkrankung betrachtet wird. Stattdessen erkennt man verschiedene molekulare Untergruppen mit unterschiedlichen Schwachstellen. PTEN ist dafür ein gutes Beispiel: Der Verlust dieses Tumorsuppressors weist auf eine aggressivere Biologie hin, macht aber zugleich einen wichtigen Wachstumspfad sichtbar, der therapeutisch angegriffen werden kann.

Die Zukunft wird wahrscheinlich nicht in einem einzelnen „Wundermedikament“ liegen, sondern in klugen Kombinationen: Androgenblockade, AKT-Hemmung, PARP-Inhibition, Immuntherapie, Radioligandentherapie und weitere Ansätze könnten je nach molekularem Profil gezielter kombiniert werden. Für Patienten bedeutet das: Die Genomsequenzierung kann helfen, die Behandlung individueller, biologisch begründeter und langfristig hoffentlich wirksamer zu gestalten.

Elektroporationsbasierte abskopale Therapien, PTEN-Verlust und PARP-Hemmung:
Längeres Überleben, weniger Nebenwirkungen, bessere Lebensqualität

Die moderne Prostatakrebsforschung beschäftigt sich zunehmend damit, die biologischen Schwachstellen jedes einzelnen Tumors besser zu verstehen. Ein besonders interessantes Gebiet ist das Zusammenspiel von PTEN-Verlust, Schwächen der DNA-Reparatur, PARP-Inhibitoren und lokalen Behandlungen, die möglicherweise das Immunsystem stimulieren können, zum Beispiel elektroporationsbasierte Therapien.

Der Grund für das große Interesse liegt darin, dass diese Ansätze Krebszellen gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen angreifen könnten. PTEN-Verlust beeinflusst Wachstums- und Überlebenssignale des Tumors. PARP-Inhibitoren zielen auf Schwächen der DNA-Reparatur. Elektroporation und andere ablative Verfahren können Tumorzellen lokal zerstören und Tumormaterial freisetzen, das das Immunsystem alarmieren kann. Der sogenannte abskopale Effekt beschreibt die Möglichkeit, dass eine lokale Behandlung an einer Tumorstelle eine Immunreaktion gegen Krebsabsiedlungen an anderen Stellen des Körpers auslöst.

Source: Imran et al., Frontiers in Oncology (2022), CC BY 4.0.

Vereinfacht gesagt besteht die Hoffnung darin, mehrere Mechanismen zu kombinieren: den Tumor weniger reparaturfähig zu machen, seine Überlebenssignale zu schwächen und ihn für das Immunsystem sichtbarer zu machen.

Was PTEN-Verlust in der Biologie des Prostatakrebses bewirkt

PTEN ist ein Tumorsuppressorgen. Normalerweise wirkt PTEN wie eine Bremse auf einen wichtigen Wachstums- und Überlebensweg, den sogenannten PI3K–AKT-Signalweg. Wenn PTEN verloren geht oder ausgeschaltet wird, fällt diese Bremse weg. Die Tumorzelle erhält dadurch stärkere Überlebenssignale und kann schwerer abzutöten sein.

PTEN-Verlust verursacht nicht nur eine einzelne Veränderung. Er kann mehrere wichtige Eigenschaften des Tumors gleichzeitig beeinflussen. Erstens aktiviert er das AKT-Überlebenssignal und hilft Krebszellen, Stress zu widerstehen und weiterzuwachsen. Zweitens kann er die genomische Instabilität erhöhen. Das bedeutet, dass sich mehr DNA-Schäden und genetische Veränderungen im Tumor ansammeln. Drittens kann PTEN-Verlust bestimmte DNA-Reparaturprozesse beeinträchtigen, darunter die homologe Rekombinationsreparatur, also denselben übergeordneten Reparaturmechanismus, der auch bei BRCA-mutierten Tumoren gestört ist.

Deshalb sprechen manche Forschende bei bestimmten PTEN-defizienten Tumoren von einem teilweise „BRCA-ähnlichen“ Zustand. Das bedeutet jedoch nicht, dass PTEN-Verlust dasselbe ist wie eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation. BRCA-Mutationen sind im Allgemeinen deutlich stärkere und verlässlichere Marker für ein Ansprechen auf bestimmte DNA-Reparatur-gerichtete Medikamente. PTEN-Verlust kann aber in manchen Tumoren zu einer gewissen Verwundbarkeit im Bereich der DNA-Reparatur beitragen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wirkung von PTEN-Verlust auf die Immunumgebung des Tumors. Einige PTEN-defiziente Tumoren scheinen ein immunsuppressives Mikromilieu zu schaffen. Das bedeutet, dass sie immununterdrückende Zellen anziehen, krebsabtötende T-Zellen vom Tumor fernhalten oder weniger gut auf Immun-Checkpoint-Therapien ansprechen. Darin liegt eines der zentralen Paradoxe des PTEN-Verlusts: Er kann therapeutische Schwachstellen erzeugen, dem Tumor aber gleichzeitig helfen, sich vor dem Immunsystem zu verstecken.

Warum PARP-Inhibitoren relevant sein könnten

PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die eines der DNA-Reparatursysteme der Zelle hemmen. Beispiele sind Olaparib und Talazoparib. Diese Medikamente wirken am klarsten bei Tumoren, die bereits Defekte in DNA-Reparaturgenen wie BRCA1 oder BRCA2 aufweisen.

Das dahinterstehende Prinzip nennt man synthetische Letalität. Gemeint ist: Eine Krebszelle kann mit einem defekten Reparaturweg manchmal noch überleben. Sie kann möglicherweise auch überleben, wenn ein anderer Reparaturweg blockiert wird. Sind jedoch beide Reparaturmöglichkeiten gleichzeitig beeinträchtigt, sammelt die Zelle so viele DNA-Schäden an, dass sie stirbt.

Beim BRCA-mutierten Prostatakrebs ist dieses Konzept bereits klinisch wichtig. Bei PTEN-defizienten Tumoren ist die Situation weniger eindeutig, aber wissenschaftlich interessant. PTEN-Verlust kann DNA-Schäden, Replikationsstress und die Abhängigkeit von alternativen Reparaturwegen erhöhen. Deshalb könnten manche PTEN-defizienten Tumoren empfindlicher gegenüber PARP-Hemmung sein als Tumoren mit intakten Reparatursystemen.

Das muss jedoch vorsichtig interpretiert werden. PTEN-Verlust ist derzeit kein so verlässlicher Marker für ein Ansprechen auf PARP-Inhibitoren wie eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Er kann zu einer Verwundbarkeit beitragen, garantiert aber nicht, dass ein PARP-Inhibitor wirkt.

Was Elektroporation und ablative Therapien hinzufügen

Elektroporationsbasierte Behandlungen nutzen kurze elektrische Impulse, um die Zellmembranen von Tumorzellen zu beeinflussen. Je nach Verfahren können sie Krebszellen direkt abtöten, das Eindringen von Medikamenten in das Tumorgewebe verbessern oder biologischen Stress im Tumor auslösen. Beispiele sind irreversible Elektroporation (IRE, NanoKnife™), Elektrochemotherapie (ECT), pulsed electric field therapies und Nanosekunden-Pulsfeldtherapien.

Diese Verfahren werden untersucht, weil lokale Tumorzerstörung möglicherweise mehr bewirkt, als nur einen sichtbaren Tumorherd zu entfernen oder zu beschädigen. Wenn Tumorzellen sterben, können sie Tumorantigene, DNA-Fragmente, Entzündungssignale und sogenannte damage-associated molecular patterns, kurz DAMPs, freisetzen. Diese Signale können Immunzellen alarmieren, insbesondere dendritische Zellen. Dendritische Zellen helfen dabei, Tumorantigene den T-Zellen zu präsentieren.

Man beschreibt dies manchmal als Umwandlung des Tumors in eine In-situ-Vakzine. „In situ“ bedeutet „an Ort und Stelle“. Die Idee ist also, dass keine im Labor hergestellte Impfung verabreicht wird, sondern dass der zerstörte Tumor selbst zu einer Quelle tumorspezifischer Informationen wird, mit denen das Immunsystem trainiert werden kann.

Der abskopale Effekt: lokale Behandlung, entfernte Wirkung

Der abskopale Effekt ist ein seltenes, aber faszinierendes Phänomen in der Krebstherapie. Er beschreibt eine Situation, in der die Behandlung eines einzelnen Tumorherdes dazu führt, dass auch Tumorherde an anderen Stellen des Körpers schrumpfen oder vom Immunsystem angegriffen werden. Historisch wurde dieser Effekt vor allem im Zusammenhang mit Strahlentherapie diskutiert. Inzwischen wird ein ähnliches Konzept auch bei anderen lokalen Therapien erforscht, darunter Elektroporation, Kryoablation, fokussierter Ultraschall und thermische Ablation.

Die biologische Erklärung liegt in der Aktivierung des Immunsystems. Durch lokale Tumorzerstörung werden Antigene und Gefahrensignale freigesetzt. Diese können dendritische Zellen aktivieren, die wiederum T-Zellen stimulieren. Wenn diese T-Zellen Tumorantigene erkennen, die auch auf Krebszellen an anderen Orten im Körper vorhanden sind, können sie über die Blutbahn dorthin gelangen und Metastasen angreifen.

In der Praxis sind abskopale Reaktionen selten und nicht zuverlässig vorhersagbar. Das Konzept ist dennoch wichtig, weil es darauf hinweist, dass lokale Therapien möglicherweise mit systemischen immunologischen Behandlungen kombiniert werden können, um eine umfassendere Krankheitskontrolle zu erreichen.

Warum PARP-Hemmung und Elektroporation sich gegenseitig verstärken könnten

Der spannendste Teil dieses Forschungsfeldes ist die mögliche Wechselwirkung zwischen DNA-Schaden, Immunaktivierung und Tumorzelltod.

PARP-Inhibitoren blockieren nicht nur DNA-Reparatur. Indem sie DNA-Schäden verstärken, können sie dazu führen, dass DNA-Fragmente an Orten auftauchen, an denen sie normalerweise nicht sein sollten, zum Beispiel im Zytoplasma der Zelle. Das Immunsystem kann solche fehlplatzierten DNA-Fragmente als Gefahrensignal interpretieren. Ein wichtiger Signalweg in diesem Zusammenhang ist der cGAS–STING-Signalweg.

Der cGAS–STING-Signalweg gehört zur angeborenen Immunität, also zum Frühwarnsystem des Körpers. Wenn DNA im Zytoplasma erscheint, kann cGAS diese erkennen und STING aktivieren. Dies kann zu Interferon-Signalen, Entzündungsreaktionen, verbesserter Antigenpräsentation und stärkerer T-Zell-Aktivierung führen.

Auch die elektroporationsbasierte Tumorzerstörung kann die Freisetzung von Tumor-DNA und Tumorantigenen erhöhen. Deshalb könnten PARP-Hemmung und Elektroporation sich theoretisch gegenseitig verstärken: Die eine Strategie erhöht DNA-Schaden und immunologische Signalgebung, die andere setzt Tumormaterial und Entzündungssignale in der lokalen Umgebung frei.

Eine mögliche Drei-Wege-Strategie

Die vorgeschlagene Kombination kann man sich als eine Abfolge sich gegenseitig verstärkender Ereignisse vorstellen.

Zunächst macht PTEN-Verlust den Tumor biologisch aggressiver, kann aber zugleich genomische Instabilität und Zellstress erhöhen.

Dann erschwert PARP-Hemmung die DNA-Reparatur zusätzlich. Dies kann Tumorzellen in Richtung Zelltod treiben und die Menge an immunologisch auffälligem DNA-Material erhöhen.

Anschließend zerstört Elektroporation oder Ablation Tumorzellen lokal, setzt Tumorantigene frei und kann dendritische Zellen stimulieren.

Im besten Fall wird das Immunsystem dadurch stark genug aktiviert, um auch Tumorzellen an entfernten Orten anzugreifen. Das wäre die gewünschte abskopale Immunantwort.

Das übergeordnete Ziel besteht darin, Tumorzellen in eine Form des Zelltods zu treiben, die nicht „still“ abläuft, sondern immunogen ist – also für das Immunsystem sichtbar und stimulierend.

Wo AKT-Inhibitoren ins Bild passen

Da PTEN-Verlust den PI3K–AKT-Signalweg aktiviert, ist eine weitere logische Behandlungsebene die Hemmung von AKT. Beispiele für AKT-Inhibitoren sind Ipatasertib und Capivasertib. Diese Medikamente sollen jene Überlebenssignale blockieren, die bei PTEN-Verlust verstärkt werden.

AKT-Hemmung könnte potenziell mehrere Wirkungen haben: Sie kann Überlebenssignale reduzieren, Tumorzellen empfindlicher gegenüber DNA-Schäden machen, Immunsuppression verändern und möglicherweise das Eindringen von T-Zellen in den Tumor verbessern. Deshalb besteht Interesse an Kombinationen wie PARP-Inhibitor plus AKT-Inhibitor, PARP-Inhibitor plus Immuntherapie, Ablation plus Immuntherapie und schließlich mehrteiligen Strategien, die PTEN-Signalweg-Targeting, DNA-Reparatur-Targeting und immunstimulierende lokale Therapie verbinden.

Die Idee ist nicht einfach, immer mehr Medikamente hinzuzufügen. Vielmehr geht es darum, die Fluchtwege des Tumors zu blockieren. Wenn der Tumor DNA-Schäden nicht mehr reparieren kann, keine starken Überlebenssignale mehr nutzen kann und sich nicht mehr vor dem Immunsystem versteckt, wird er möglicherweise angreifbarer.

Die große Herausforderung: PTEN-Verlust kann auch Immunresistenz fördern

Derselbe PTEN-Verlust, der therapeutische Schwachstellen schaffen kann, kann die Behandlung auch erschweren. PTEN-defiziente Tumoren können Interferonantworten unterdrücken, myeloide Suppressorzellen anziehen und das Eindringen wirksamer T-Zellen in den Tumor verhindern. Das bedeutet, dass Immun-Checkpoint-Inhibitoren allein bei vielen PTEN-Verlust-Tumoren wahrscheinlich nicht ausreichen.

Genau deshalb ist Kombinationstherapie in diesem Forschungsfeld so wichtig. Elektroporation kann Antigene freisetzen. PARP-Hemmung kann DNA-Schäden und STING-vermittelte Immunsignale verstärken. AKT-Hemmung kann Überlebenssignale reduzieren und möglicherweise immunsuppressive Mechanismen abschwächen. Zusammen könnten diese Ansätze helfen, einen immunologisch ausgeschlossenen, „kalten“ Tumor in einen stärker entzündlichen, immunologisch sichtbaren Tumor umzuwandeln.

Was etabliert ist und was experimentell bleibt

Einzelne Bestandteile dieser Strategie sind bereits gut begründet. PARP-Inhibitoren sind bei Prostatakarzinomen mit bestimmten Defekten der homologen Rekombinationsreparatur etabliert, insbesondere bei BRCA1- und BRCA2-Veränderungen. PTEN-Verlust ist als Marker für aggressivere Erkrankung und als Hinweis auf eine Aktivierung des PI3K–AKT-Signalwegs anerkannt. Elektroporation und andere ablative Therapien können Tumorgewebe zerstören und möglicherweise Immunaktivierung auslösen.

Die kombinierte Strategie befindet sich jedoch noch an der Forschungsfront. Es gibt eine starke präklinische Begründung dafür, PTEN-Verlust, PARP-Empfindlichkeit, STING-Aktivierung und ablationsinduzierte Immunantworten miteinander zu verbinden. Erste klinische Forschung untersucht Kombinationen wie PARP-Inhibitoren mit Checkpoint-Inhibitoren, PARP-Inhibitoren mit AKT-Inhibitoren und Ablation mit Immuntherapie.

Ein vollständiger Dreifachansatz – also PTEN-gerichtete Therapie, PARP-Hemmung und elektroporationsvermittelte abskopale Immunstimulation – ist bisher jedoch kein bewiesenes Standardregime.

Warum diese Forschungsrichtung spannend ist

Die Begeisterung entsteht dadurch, dass die biologischen Wirkmechanismen sich ergänzen. Ein PARP-Inhibitor kann den Tumor in eine Krise durch massive DNA-Schäden bringen. AKT- beziehungsweise PTEN-Signalweg-Targeting kann Überlebenssignale reduzieren. Elektroporation kann Tumorantigene und Entzündungssignale freisetzen. Eine abskopale Immunaktivierung könnte theoretisch dazu beitragen, auch Metastasen außerhalb des lokal behandelten Bereichs zu kontrollieren.

Die übergeordnete Vision ist ehrgeizig: Prostatakrebszellen sollen daran gehindert werden, sich selbst zu reparieren, auf Überlebenssignalwege auszuweichen und für das Immunsystem unsichtbar zu bleiben. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, bei dem Therapieresistenz ein großes Problem darstellt, gehört diese Art von mehrdimensionaler Strategie zu den besonders interessanten Bereichen der translationalen Forschung.

Für Patienten ist die wichtigste Botschaft ein vorsichtiger Optimismus. Die biologischen Konzepte sind stark und beginnen zukünftige Therapiekombinationen zu prägen, besonders bei biologisch aggressiven Tumoren mit PTEN-Verlust.

FAQ

Nein. Eine Tumor-Genomsequenzierung ist nicht bei jedem Patienten mit Prostatakrebs notwendig. Bei vielen lokal begrenzten oder weniger aggressiven Tumoren basieren Therapieentscheidungen weiterhin vor allem auf PSA-Wert, MRT-Befunden, Biopsieergebnissen, Gleason-Score, Tumorstadium und der allgemeinen Situation des Patienten.

Besonders bei fortgeschrittenem, metastasiertem oder kastrationsresistentem Prostatakrebs kann die molekulare Analyse jedoch zunehmend relevant werden. Sie kann helfen, biologische Eigenschaften wie BRCA-Veränderungen, PTEN-Verlust, MSI-high oder Veränderungen des Androgenrezeptors zu erkennen, die therapeutische Überlegungen oder die Teilnahme an klinischen Studien beeinflussen könnten.

Die VITUS Privatklinik konzentriert sich vor allem auf moderne Bildgebung, elektroporationsbasierte fokale Therapien und biologisch orientierte Behandlungskonzepte bei Prostatakrebs.

Umfassende Tumor-Genomsequenzierungen werden derzeit nicht routinemäßig direkt in der Klinik durchgeführt. Bereits vorhandene molekulare Befunde, externe Sequenzierungsberichte, Liquid-Biopsy-Ergebnisse oder relevante Biomarker können jedoch in ausgewählten Fällen in die Gesamtbeurteilung einbezogen werden.

Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Laborwert, sondern die Gesamtsituation des Patienten.

PTEN ist ein sogenanntes Tumorsuppressorgen. Es hilft normalerweise dabei, Zellwachstum und Überlebenssignale zu kontrollieren. Geht PTEN verloren oder funktioniert es nicht mehr richtig, können Prostatakrebszellen aggressiver werden, Stress besser überstehen und leichter metastasieren.

PTEN-Verlust kommt insbesondere bei fortgeschrittenem Prostatakrebs relativ häufig vor und ist mit einer Aktivierung des PI3K–AKT-Signalwegs verbunden. Dieser Signalweg gilt als biologisch interessant, weil er möglicherweise therapeutisch angreifbar ist.

Möglicherweise ja. PTEN-Verlust kann wichtige Hinweise auf die Biologie des Tumors geben und bei Therapieüberlegungen oder klinischen Studien eine Rolle spielen.

Tumoren mit PTEN-Verlust scheinen teilweise stärker von AKT-Signalen abhängig zu sein. Deshalb werden sogenannte AKT-Inhibitoren intensiv erforscht. Außerdem könnte PTEN-Verlust mit DNA-Reparaturmechanismen und immunologischen Prozessen zusammenhängen.

Wichtig ist jedoch: PTEN ist derzeit noch kein einfacher „Therapieschalter“. Die klinische Bedeutung ist komplex und muss immer im Zusammenhang mit der gesamten Erkrankung beurteilt werden.

PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die bestimmte DNA-Reparaturmechanismen der Krebszelle blockieren. Beispiele sind Olaparib und Talazoparib.

Besonders relevant sind diese Medikamente bei Tumoren mit Defekten in DNA-Reparaturgenen wie BRCA1 oder BRCA2. Bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs können PARP-Inhibitoren ein wichtiger Bestandteil moderner Präzisionsonkologie sein.

Aktuelle Forschung untersucht außerdem, ob manche PTEN-defizienten Tumoren ebenfalls empfindlicher auf PARP-Hemmung reagieren könnten.

Elektroporationsbasierte Therapien nutzen kurze elektrische Impulse, um Tumorzellen zu beeinflussen. Je nach Verfahren können dadurch Krebszellen direkt zerstört, die Aufnahme bestimmter Medikamente verbessert oder biologischer Stress im Tumor ausgelöst werden.

Zu diesen Verfahren gehören unter anderem:Examples include:

  • irreversible Elektroporation (IRE / NanoKnife™)
  • Elektrochemotherapie (ECT)
  • Pulsed electric field therapies

Im Gegensatz zu manchen thermischen Ablationsverfahren könnten elektroporationsbasierte Therapien bestimmte Gewebestrukturen besser schonen und möglicherweise interessante immunologische Effekte auslösen.

Möglicherweise ja. Ein wichtiger Forschungsbereich beschäftigt sich mit der Frage, ob lokale Tumorzerstörung zusätzlich eine systemische Immunreaktion auslösen kann.

Beim Absterben von Tumorzellen können Tumorantigene, DNA-Fragmente und Entzündungssignale freigesetzt werden, die Immunzellen aktivieren könnten. Man spricht dabei manchmal von einer „In-situ-Vakzine“, also einer Art Immunaktivierung direkt am Tumorort.

Wie stark solche Effekte tatsächlich auftreten, ist unterschiedlich und weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.

Der abskopale Effekt beschreibt ein seltenes Phänomen, bei dem die Behandlung eines Tumorherdes möglicherweise Immunreaktionen gegen Tumorabsiedlungen an anderen Stellen des Körpers auslöst.

Historisch wurde dieses Konzept vor allem im Zusammenhang mit Strahlentherapie diskutiert. Inzwischen wird es auch bei Elektroporation, Kryoablation, fokussiertem Ultraschall und Immuntherapie-Kombinationen untersucht.

Auch wenn echte abskopale Reaktionen selten und schwer vorhersagbar sind, gilt das Konzept wissenschaftlich als sehr interessant.

Nein. Einige einzelne Bestandteile solcher Strategien sind bereits etabliert — beispielsweise PARP-Inhibitoren bei bestimmten BRCA-assoziierten Tumoren. Viele moderne Kombinationsansätze befinden sich jedoch weiterhin in der Forschung.

Derzeit werden Kombinationen untersucht wie:

  • PARP-Inhibitoren
  • AKT-Inhibitoren
  • Immuntherapien
  • elektroporationsbasierte oder ablative Verfahren

Diese Ansätze gelten als wissenschaftlich vielversprechend, sind jedoch noch kein allgemeiner Therapiestandard.

Nein. Die molekulare Analyse ergänzt die klassische Diagnostik, ersetzt sie aber nicht.

MRT-Befunde, Biopsien, PSA-Verlauf, Tumorstadium, Beschwerden, Bildgebung und der allgemeine Gesundheitszustand bleiben zentrale Bestandteile der Therapieplanung. Die Genomsequenzierung kann zusätzliche biologische Informationen liefern, die helfen können, den Tumor besser zu verstehen.