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Photodynamische Therapie zur Behandlung von Blasenkrebs

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Wie funktioniert die
photodynamische Therapie?

Die photodynamische Therapie (PDT) nutzt natürliche Farbstoffe und Licht, um Krebszellen auf schonende Weise zu zerstören. Die Farbstoffe werden „Photosensitizer“ oder „Photosensibilatoren“ (PS) genannt, da sie in die Krebszellen aufgenommen werden und diese empfindlich für Licht bestimmter Wellenlängen machen.

Die Photodynamische Therapie hat mit knapp 100 Jahren eine lange Geschichte und wird seit längerem erfolgreich zur Behandlung unterschiedlicher Tumore eingesetzt. Dabei sind insbesondere oberflächliche gelegene Tumore in Haut, Lunge, Darm und Harnblase dem eingestrahlten Licht gut zugänglich. Aber auch Tumore in soliden Organen wie der Niere oder der Blase können mit der PDT behandelt werden.

Wie wirkt die
PHOTODYNAMISCHE THERAPIE
AUF KREBS?

Wenn eine Krebszelle, die den Photosensibilisator in sich aufgenommen hat, mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt wird, löst die Lichtenergie chemische Prozesse aus, die zur Bildung von Sauerstoffverbindungen, insbesondere Sauerstoffradikalen, führt, die für Zellen sehr giftig sind und die Zelle abtöten.

Generell werden Photosensibilatoren zunächst von allen Zellen aufgenommen. Aber die Anreicherung des PS in Tumorzellen ist höher als in normalen Körperzellen, so daß, je nach Art des PS, in Krebszellen 10 – 20mal höhere Konzentrationen erreicht werden können. Entsprechend sterben bei der Bestrahlung mit Licht dann primär Tumorzellen ab, während normale Zellen überleben.

Je nach PS und Behandlungsart kann die PDT auch Blutgefäße im Tumor beschädigen und damit die Blutzufuhr zum Tumor unterbrechen, ohne die der Tumor nicht wachsen kann.

Darüber hinaus löst die PDT eine Immunreaktion gegen die Tumorzellen aus, indem die absterbenden Tumorzellen Tumorantigene freisetzen, die vom Immunsystem erkennt werden – ähnlich wie bei einer Impfung. Über diese Tumorantigene können die Killerzellen des Immunsystems die Tumorzellen im Körper finden und zerstören.

Wie wird die
photodynamische Therapie
durchgeführt?

Die PDT ist ein zweistufiger Prozess. Zunächst wird der Photosensibilisator appliziert. Dies erfolgt meist durch eine intravenöse Infusion, kann aber auch durch eine lokale Injektion in den Tumor oder eine Instillation in einen Hohlraum wie die Blase erfolgen.

Stunden oder Tage später, je nach Anreicherungsverhalten des Photosensibilisators, hat sich der PS in Krebszellen angereichert. Zu diesem Zeitpunkt hat der PS normale Zellen jedoch schon wieder verlassen – durch Stoffwechsel- und/oder Transportprozesse.

Im zweiten Schritt werden die Zellen Licht einer bestimmten, vom PS absorbierten Wellenlänge exponiert, wodurch der PS aktiviert und die Zellen zerstört werden. Auf Grund der selektiven Anreicherung in den Krebszellen wird primär der Tumor zerstört, während normale Gewebe und Zellen geschont werden.

Photodynamische Therapie

Vorteile der
photodynamischen
Therapie

Die PDT zerstört primär Tumorzellen und schont normale Zellen und Gewebe.

Außerdem zerstört die PDT Zellen ohne Erhitzung, im Gegensatz zu den weitverbreiteten thermischen Ablationsverfahren wie der Radiofrequenzablation (RF-Ablation) und beim High-Energy Focussed Ultrasound (HiFU). Dadurch wird bei der PDT die Gewebeinfrastruktur aus Fasern und interstitieller Matrix sowie Nerven und Gefäße erhalten. Dies ermöglicht einen Funktionserhalt anatomischer Strukturen: Bei der Behandlung der Blase u.a. den Erhalt der Erektionsfähigkeit des Penis durch Erhalt des neurovaskulären Bündels, eines Gefäß- und Nervengeflechtes auf der Blase, das bei einer HiFU-Behandlung oder der operativen Entfernung der Blase zerstört wird. Auch der Blasenschließmuskel kann bei einer PDT-Behandlung erhalten werden, ggf. auch bei teilweiser Infiltration durch Tumorgewebe.

Auch wird bei der PDT die Narbenbildung minimiert und es werden starke sekundäre Immuneffekte gegen Krebszellen ausgelöst.

Nachteile der
photodynamischen
Therapie

Die PDT kann trotz der selektiven Anreicherung in Tumorzellen auch normal Zellen und Gewebe schädigen und Nebenwirkungen auslösen.

Das Licht kann bei der PDT in den meisten Fällen nur ca. 1 cm tief in solide Gewebe eindringen und nur bis zu dieser Tiefe Zellen zerstören. Bei der Behandlung von soliden Tumoren größerer Ausdehnung müssen viele Lichtquellen – meist Glasfaser-Lichtleiter – im Abstand von 1 cm in den Tumor eingebracht werden, um die gesamte Tumormasse zu illuminieren.

Potentielle
Nebenwirkungen der
photodynamischen
Therapie

Die Schädigung normaler Zellen durch die PDT, obwohl begrenzt, kann zu verbrennungsähnlichen Symptomen, Schwellungen, Schmerzen und Vernarbungen m Behandlungsbereich führen. Weitere potentielle Nebenwirkungen, in Abhängigkeit von der behandelten Körperregion, umfassen:

Photodynamische Therapie mit Chlorin E6 bei Blasenkrebs

Bei der PDT der Blase werden über den Beckenboden – die Dammregion (lateinisch Perineum) mit Hilfe eines Steppers, einem Ultraschalltansducer im Enddarm und einer Lochplatte (Brachytherapygrid) Lichtleiter in regelmäßigen Abständen in die Prostata eingebracht. Die Lichtleider werden typischerweise im Abstand von 1 cm eingebracht, da das eingestrahlte Laserlicht eine maximale Eindringtiefe von ca. 2 cm hat. Dies Einbringung der Lichtleiter erfolgt entweder fokal in dem Teil der Prostata, wo sich der Blasenkrebs befindet, oder kann auch die ganze Prostata abdecken, wenn der Tumor ausgedehnt ist.

Danach wird der Photosensibilisator Chlorin E6 dem Patienten als Kurzinfusion injiziert. Diese photoaktive Substanz verteilt sich über den Blutstrom im ganzen Körper, reichert sich in Tumorgeweben jedoch 20-fach stärker an, als in gesunden Zellen. Bei der Photodynamischen Therapie mittels Chlorin E6 von Prostatakrebs werden die Tumorzellen mit monochromatischem, roten Laserlicht bestrahlt, das zu einem Absterben der Tumorzellen führt.

Was ist Chlorin E6 und wie wirkt es?

Chlorin E6 ist ein Photosensibilisator, der sich speziell in Tumorgewebe anreichert. Das grüne Porphyrin wird aus Pflanzenmaterial hergestellt1. Chlorin E6 reichert sich in Tumorgeweben 20-fach stärker an als in gesunden Zellen. Werden die Tumorzellen darauf hin mit monochromatischem Laserlicht der Wellenlänge 665 Nanometer – rotes Licht – bestrahlt, wird die Energie des Laserlichtes auf des Chlorin E6-Molekül übertragen.

Die absorbierte Energie wird an Sauerstoffmoleküle in der Zelle abgegeben, wodurch Sauerstoffradikale mit hochreaktiven singulären Elektronen entstehen. Diese Sauerstoffradikale sind hoch reaktiv und reagieren mit biologischen Bestandteilen der Tumorzelle wie dem Zellkern, den Mitochondrien und der Zellmembran. Die Tumorzelle verliert dadurch ihre Funktion und Struktur und stirbt ab.

Umgebende, gesunde Zellen, die das Chlorin E6 nicht angereichert haben, bleiben von dem roten Laserlicht weitgehend unbeeinflußt.

Die Substanz wurde bereits erfolgreich in einer klinischen Studie der Phase IIb für die Therapie des zentralen Bronchialkarzinoms getestet. In den vorliegenden Untersuchungen und Erfahrungen in Rahmen von Heilversuchen zeigte Chlorin E6 keine schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Andere photodynamische
Therapieverfahren für
Blasenkrebs

Ein anderes photodynamisches Therapieverfahren für Prostatakrebs, das sogenannte Tookad-Verfahren, wird bereits seit einiger Zeit klinisch eingesetzt. Im Gegensatz zum Photosensibilisator Chlorin E6 reichert sich der beim Tookad-Verfahren eingesetzte Photosensibilisator nicht stark selektiv in Tumorzellen an. Die Bestrahlung mit Laserlicht führt bei Tookad primär zu einem Verschluss der Blutgefäße, die den Tumor versorgen. Somit werden bei Tookad-Verfahren nicht einzelne Tumorzellen selektiv zum Absterben gebracht, sondern ein Teil der Prostata vom Blutstrom abgeschnitten.

Schonende Behandlungen bei Prostatakrebs

IRE
Nanoknife™

IRE | ECT und Immunotherapie

Photodynamische Therapie

Für welchen Blasenkrebs-Patienten
ist die Photodynamische Therapie besonders geeignet?

Im Gegensatz zu operativen, chemo- oder strahlentherapeutischen Verfahren stellt die PDT eine deutlich geringere Belastung für den Patienten dar.

Obwohl bisher keine klinischen Studien vorliegen, die aufzeigen, in welchen Fällen von Blasenkrebs eine photodynamische Therapie besonders geeignet ist, läßt sich auf Grund der geringeren Nebenwirkungen der PDT ableiten, daß diese insbesondere zur Behandlung von Blasentumoren geeignet ist, wenn der betroffene Mann Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz vermeiden möchte.

Auch bei Tumoren, die kritische Sturkturen wie den Blasenschließmuskel oder den Blasenboden infiltrieren, sollte eine PDT in Betracht und gegenüber Alternativen wie der IRE oder Elektrochemotherapie (ECT) abgewogen werden.

Auch bei Patienten, die im „schulmedizinischen Sinne“ als „austherapiert“ gelten oder für Patienten, die herkömmlichen Therapien ablehnen, stellt die PDT eine therapeutische Problemlösungsalternative dar.

Andere Krebsarten und Krebsvorstufen, die mit photodynamischer Therapie behandelt werden

Die Food and Drug Administration der USA (FDA) hat die photodynamische Therapie zur Behandlung der folgenden Erkrankungen freigegeben:

Die PDT wird auch eingesetzt, um bei folgenden Krebserkrankungen die Nebenwirkungen zu lindern (palliativ, nicht kurativ)

Bei der Photodynamischen Diagnostik (PDD) (linker Teil der Abbildung) werden Tumorzellen zum Beispiel bei einem Harnblasentumor quasi eingefärbt. Dabei wird der Fluoreszenzfarbstoff über einen Katheter in die Blase eingebracht, im Falle von Chlorin über Infusion. Der Farbstoff wird von Tumorzellen verstärkt aufgenommen und führt dann zu einer verbesserten Darstellung des Tumorbereiches während der Blasenspiegelung, vor allem, wenn das Gewebe mit blauem Licht bestrahlt wird. Man spricht hier von Fluoreszenzendoskopie. Anschließend kann der Tumor mit konventionellen Methoden, z.B. mittels chirurgischer Operation, entfernt werden.
Mit Chlorin E6 ist danach auch eine Photodynamische Therapie (PDT) möglich (rechter Teil der Abbildung). Drei Stunden nach der Injektion von Ce6 haben die Tumorzellen den Stoff aufgenommen. Durch Bestrahlung mit speziellem Laserlicht wird in den Tumoren eine chemische Reaktion ausgelöst, bei Singulett-Sauerstoff entsteht.