Die Diagnose Prostatakrebs kann verständlicherweise Stress und Angst auslösen. Ein Prostatakarzinom im Stadium 1 (Frühstadium, lokal begrenzt) ist jedoch in der Regel sehr gut behandelbar. Prostatakrebs im Frühstadium weist eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von nahezu 100 % und eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von etwa 98 % auf.
Dies liegt daran, dass Prostatakrebs im Stadium 1 langsam wächst und als Niedrigrisiko-Tumor gilt. Die meisten Ärztinnen und Ärzte empfehlen keine sofortige Therapie, sodass Sie ausreichend Zeit haben, Ihre Behandlungsoptionen sorgfältig abzuwägen und die für Sie passende Entscheidung zu treffen.
Dennoch ist es wichtig, auch bei einem Niedrigrisiko-Tumor gut informiert zu bleiben. Zu wissen, was Sie erwarten können, hilft Ihnen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und bei Fortschreiten der Erkrankung rasch zu handeln.
Dieser Leitfaden bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Prostatakrebs im Stadium 1, einschließlich Symptome, Prognose und Behandlungsmöglichkeiten, damit Sie fundierte Entscheidungen im Umgang mit Ihrer Diagnose treffen können.
Was ist Prostatakrebs im Stadium 1?
Prostatakrebs im Stadium 1 ist auf die Prostata begrenzt und wird aufgrund seines langsamen Wachstums als Niedrigrisiko-Tumor eingestuft. Die meisten Männer haben zum Zeitpunkt der Diagnose keine Beschwerden.
Nach dem TNM-Staging-System wird Prostatakrebs im Stadium 1 durch folgende Merkmale definiert:
- T1 oder T2a: Der Tumor ist auf die Prostata begrenzt und betrifft höchstens die Hälfte eines Prostatlappens oder ist weder bildgebend noch bei der körperlichen Untersuchung nachweisbar
- N0: Es liegt kein Befall benachbarter Lymphknoten vor
- M0: Es bestehen keine Fernmetastasen
- Grade Group 1: Gleason-Score 6 (3+3)
- PSA-Wert: Unter 10 ng/mL
Als niedrigste Risikokategorie des Prostatakarzinoms erfordert das Stadium 1 häufig keine sofortige Behandlung. Aufgrund des langsamen Tumorwachstums wird meist eine aktive Überwachung (Active Surveillance) anstelle einer aggressiven Therapie empfohlen.
Wie wird Prostatakrebs im Frühstadium diagnostiziert?
Da Prostatakrebs im Stadium 1 häufig keine Symptome verursacht, wird er meist im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Diese beginnt in der Regel mit einem PSA-Bluttest und einer digitalen rektalen Untersuchung (DRU).
Auffällige Screening-Ergebnisse allein bestätigen jedoch noch keinen Prostatakrebs. Besteht ein Krebsverdacht, wird eine Prostatabiopsie durchgeführt, um die Diagnose zu sichern und den Gleason-Score zu bestimmen, der Auskunft über die Aggressivität der Krebszellen gibt.
Zur endgültigen Stadieneinteilung bewerten Ärztinnen und Ärzte alle Befunde gemeinsam. Hierzu zählen PSA-Wert, Biopsieergebnisse, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren, um festzustellen, ob der Krebs ausschließlich auf die Prostata begrenzt ist und die Kriterien für Stadium 1 erfüllt.
Symptome von Prostatakrebs im Frühstadium
Die meisten Männer mit Prostatakrebs im Stadium 1 bemerken keine Symptome.
Wenn Beschwerden auftreten, sind sie meist mild und unspezifisch und ähneln häufig den Symptomen einer gutartigen Prostatakrebsvergrößerung (BPH), darunter:
- Erhöhter Harndrang
- Schwierigkeiten beim Beginn oder Aufrechterhalten des Harnflusses
- Abgeschwächter Harnstrahl
- Leichte Beschwerden beim Wasserlassen
- Gelegentliche Beckenbeschwerden
Da diese Symptome auch bei gutartigen Prostataerkrankungen häufig vorkommen, sind sie allein kein verlässlicher Hinweis auf Prostatakrebs oder dessen Stadium.
Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs im Frühstadium
Da Prostatakrebs im Stadium 1 lokal begrenzt und mit einem niedrigen Risiko verbunden ist, stehen in der Regel mehrere Behandlungsstrategien zur Verfügung. Eine sofortige Therapie ist nicht immer erforderlich, und die Entscheidung hängt von Tumorcharakteristik, allgemeinem Gesundheitszustand und individuellen Lebensqualitätsaspekten ab.
Die häufigsten Behandlungs- bzw. Managementstrategien bei Prostatakrebs im Stadium 1 sind:
Aktive Überwachung (Active Surveillance) bei Prostatakrebs im Frühstadium
Viele Männer mit Prostatakrebs im Stadium 1 erleben niemals ein Fortschreiten der Erkrankung oder eine lebensbedrohliche Entwicklung. In diesen Fällen ist eine sofortige Intervention häufig nicht notwendig und kann vermeidbare Risiken wie Harninkontinenz oder Erektionsstörungen mit sich bringen.
Aus diesen Gründen wird häufig die aktive Überwachung als Erstlinienstrategie empfohlen, bestehend aus regelmäßigen PSA-Kontrollen, bildgebenden Untersuchungen und gelegentlichen Biopsien.
Eine aktive Therapie wird erst eingeleitet, wenn eindeutige Zeichen einer Krankheitsprogression vorliegen. So kann die Lebensqualität erhalten bleiben, ohne die langfristigen Behandlungsergebnisse zu beeinträchtigen.
Nicht-thermische fokale Therapien bei Prostatakrebs im Frühstadium
Für Männer, die sich nicht ausschließlich auf die aktive Überwachung verlassen möchten, bieten nicht-thermische fokale Therapien wie die irreversible Elektroporation (IRE) oder die photodynamische Therapie (PDT) minimalinvasive Behandlungsoptionen.
Diese Verfahren behandeln gezielt nur den tumorbefallenen Bereich der Prostata und nicht die gesamte Drüse. Durch die Begrenzung auf das betroffene Areal reduziert die fokale Therapie das Risiko von Nebenwirkungen, wie sie bei Ganzdrüsenbehandlungen wie der radikalen Prostatektomie oder Strahlentherapie auftreten können.
Im Gegensatz zu thermischen Verfahren wie HIFU oder Kryotherapie arbeiten IRE und PDT nicht mit extremer Hitze oder Kälte zur Gewebezerstörung. Dadurch wird das umliegende Gewebe geschont, was insbesondere bei lokal begrenzter Erkrankung zum Erhalt der Harnkontinenz und der sexuellen Funktion beitragen kann.
Operation und Bestrahlung bei Prostatakrebs im Frühstadium
Die radikale Prostatektomie und die Strahlentherapie gelten als definitive Behandlungsoptionen und werden auch im Stadium 1 weiterhin häufig empfohlen. Bei lokal begrenztem Niedrigrisiko-Prostatakrebs wird dabei jedoch oft mehr Gewebe behandelt als erforderlich.
Die radikale Prostatektomie umfasst die vollständige Entfernung der Prostata und birgt ein bekanntes Risiko für Harninkontinenz und erektile Dysfunktion, da umliegende Nerven und Strukturen beeinträchtigt werden können. Die Strahlentherapie ist zwar nicht chirurgisch, setzt jedoch gesundes Gewebe der Strahlung aus und kann vergleichbare langfristige Nebenwirkungen verursachen.
Angesichts des langsamen Wachstums von Prostatakrebs im Stadium 1 gehen Operation und Bestrahlung häufig über das für die Tumorkontrolle notwendige Maß hinaus. Diese Optionen werden meist dann in Betracht gezogen, wenn Patientinnen und Patienten eine sofortige definitive Therapie wünschen oder klinische Faktoren eine Ganzdrüsenbehandlung rechtfertigen.
Die richtige Behandlung für Prostatakrebs im Frühstadium wählen
Wichtig zu verstehen ist, dass sich Prostatakrebs in der Regel langsam entwickelt. Im Stadium 1 bleibt meist ausreichend Zeit, die verschiedenen Optionen sorgfältig zu prüfen, und in vielen Fällen schreitet die Erkrankung niemals zu einem lebensbedrohlichen Stadium fort.
Bei der Wahl der geeigneten Strategie spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
- Alter und allgemeiner Gesundheitszustand
- Lokalisation und Ausdehnung des Tumors
- Persönliche Einstellung zu regelmäßiger Kontrolle versus aktiver Behandlung
- Prioritäten hinsichtlich Lebensqualität, insbesondere Harnkontinenz und Sexualfunktion
Niemand sollte sich zu einer sofortigen Therapie gedrängt fühlen. Sich Zeit zu nehmen, alle verfügbaren Optionen zu verstehen – einschließlich der Einholung einer Zweitmeinung – ist ein wesentlicher Bestandteil einer informierten Entscheidungsfindung.
Für weitere Informationen zur Behandlung und Betreuung bei Prostatakrebs im Frühstadium können Sie sich an unser Team in der VITUS Privatklinik wenden.
Prognose und Überlebensrate bei Prostatakrebs im Frühstadium
Prostatakrebs im Stadium 1 hat eine ausgezeichnete Langzeitprognose. Die Erkrankung ist lokal begrenzt und wächst in der Regel langsam, wobei viele Fälle über Jahre hinweg stabil bleiben, ohne dass eine Therapie erforderlich ist.
Die Überlebensraten spiegeln diese günstige Prognose wider. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt nahezu bei 100 %, und die überwiegende Mehrheit der Patienten verstirbt nicht an dieser Erkrankung.
Ein Rezidiv ist über lange Zeiträume möglich, jedoch sind die Rückfallraten bei Niedrigrisiko-Prostatakrebs im Stadium 1 gering. Daten aus den Johns Hopkins Medicine Han Tables, die das Risiko eines biochemischen Rezidivs nach radikaler Prostatektomie abschätzen, zeigen:
- 3 Jahre nach der Operation: etwa 0–2%
- 5 Jahre nach der Operation: etwa 1–4%
- 7 Jahre nach der Operation: etwa 1–5%
- 10 Jahre nach der Operation: etwa 1–7%
Veröffentlichte Ergebnisse von 471 Patienten, die mit irreversibler Elektroporation (IRE) behandelt wurden und eine Nachbeobachtungszeit von bis zu 70 Monaten aufweisen, zeigen Rezidivmuster, die im Bereich der in den Johns Hopkins Medicine Han Tables berichteten Werte für vergleichbare Risikoprofile liegen.
Leben nach der Diagnose Prostatakrebs im Stadium 1
Die Diagnose Prostatakrebs im Stadium 1 kann zunächst verunsichern, doch die meisten Männer führen weiterhin ein normales Leben, während sie ihre Optionen prüfen. Da die Erkrankung in der Regel langsam fortschreitet, bleibt oft ausreichend Zeit für Überwachung oder Therapie, ohne dass der Alltag wesentlich beeinträchtigt wird.
Bei angemessenem Management können Harnkontinenz und Sexualfunktion häufig erhalten bleiben. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen geben Sicherheit und ermöglichen die frühzeitige Erkennung möglicher Veränderungen. Gut informiert zu bleiben hilft, aktiv zu handeln, ohne unnötige Ängste zu entwickeln.
Wenn Sie Ihre Diagnose oder Ihre individuellen Behandlungsoptionen ausführlicher besprechen möchten, kontaktieren Sie unser Behandlungsteam, um mehr über eine personalisierte Betreuung bei Prostatakrebs im Stadium 1 zu erfahren.
Häufig gestellte Fragen zu Prostatakrebs im Frühstadium
Ja. Prostatakrebs im Stadium 1 ist bei frühzeitiger Diagnose in hohem Maße heilbar. Viele Männer mit dieser Erkrankung erleben kein Fortschreiten und keine lebensbedrohliche Entwicklung, und die Langzeitüberlebensraten sind ausgezeichnet.
Prostatakrebs im Stadium 1 ist auf die Prostata begrenzt und hat weder Lymphknoten noch entfernte Organe befallen. In diesem Stadium ist das Risiko einer Metastasierung sehr gering. Bei angemessener Überwachung werden Anzeichen einer Progression in der Regel frühzeitig erkannt, bevor es zu einer Ausbreitung kommt.
Prostatakrebs im Stadium 1 wächst in der Regel sehr langsam. Viele Fälle bleiben über Jahre hinweg stabil, ohne wesentliche Veränderungen zu zeigen. Dieses langsame Wachstum ist ein zentraler Grund, weshalb häufig eine aktive Überwachung empfohlen wird und ausreichend Zeit für eine sorgfältige Therapieentscheidung bleibt.
Nein. Viele Männer mit Prostatakrebs im Stadium 1 benötigen keine sofortige Therapie. Die aktive Überwachung ist häufig eine geeignete Strategie und ermöglicht es, unnötige Nebenwirkungen zu vermeiden, während die Erkrankung engmaschig kontrolliert wird. Eine Behandlung wird in der Regel erst dann eingeleitet, wenn Anzeichen einer Progression vorliegen oder individuelle Faktoren eine Intervention rechtfertigen.
Ein Rückfall ist möglich, jedoch sind die Rezidivraten bei Niedrigrisiko-Prostatakrebs im Stadium 1 gering. Tritt ein Rezidiv auf, wird es meist im Rahmen der routinemäßigen Nachsorge frühzeitig erkannt. Eine frühe Diagnose ermöglicht eine rechtzeitige Therapie, und die langfristigen Ergebnisse bleiben für die meisten Patienten günstig.
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