IRE bei Prostatakrebs: Was passiert, wenn später doch operiert werden muss?
Eine wichtige Frage vor der Behandlung — und eine ermutigende Antwort aus der aktuellen Studienlage.
Die Irreversible Elektroporation (IRE) ist ein fokales Verfahren zur Behandlung ausgewählter Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs. Ziel ist es, den Tumor gezielt zu zerstören und dabei möglichst viel gesundes Gewebe sowie die für Kontinenz und Erektionsfähigkeit wichtigen Strukturen zu schonen.
Viele Patienten fragen sich vorab: Was passiert, wenn der Tumor wiederkommt und später doch die gesamte Prostata entfernt werden muss? Die bisher verfügbaren Daten geben eine klare Antwort: Eine spätere radikale Prostatektomie bleibt nach IRE möglich – mit sehr guten funktionellen Ergebnissen.
Salvage-Prostatektomie nach IRE — die Datenlage
Wichtigste Studie: van Riel et al., BJU International 2022 (39 Patienten nach IRE mit anschließender radikaler Prostatektomie bei Rezidiv).
94,4 %
Kontinenz erhalten
52,9 %
Potenz erhalten*
keine
Schwere OP-Komplikationen
* bezogen auf Patienten mit auswertbarer präoperativer Sexualfunktion; positive Schnittränder bei 25,6 %.
Diese Ergebnisse wurden durch eine zweite Untersuchung (Blazevski et al., BMC Urology 2022) zur robotisch assistierten Salvage-Prostatektomie nach IRE bestätigt: technisch machbar, mit akzeptablen onkologischen und funktionellen Ergebnissen.
Vergleich: Spätere Operation nach unterschiedlichen Vorbehandlungen
| Vorbehandlung | Spätere Prostatektomie | Bisherige funktionelle Ergebnisse |
|---|---|---|
| IRE | gut möglich | sehr ermutigend |
| HIFU | möglich | uneinheitlich, teilweise ungünstig |
| Strahlentherapie | möglich, aber anspruchsvoller | deutlich erhöhtes Risiko für funktionelle Nebenwirkungen |
Nach Strahlentherapie ist das Gewebe häufig fibrotisch verändert, was die Operation technisch anspruchsvoller macht und das Risiko für Inkontinenz und Erektionsstörungen erhöht. Für HIFU ist die Datenlage zur Salvage-Operation deutlich heterogener als für IRE.
Kernaussage für Patientinnen und Patienten
„IRE erhält die Möglichkeit einer späteren Operation – und die bisher verfügbaren Daten zeigen dabei sehr gute funktionelle Ergebnisse.“
Was wissen wir noch nicht?
- Die bisherigen Studien sind relativ klein, überwiegend retrospektiv und stammen aus spezialisierten Zentren.
- Die Nachbeobachtungszeiten sind teilweise noch kurz; große randomisierte Vergleichsstudien fehlen bislang.
- Eine Gleichsetzung mit den Ergebnissen einer Erstoperation an der nativen Prostata wäre wissenschaftlich derzeit nicht belastbar.
Belastbare Aussage: Die bisher verfügbaren Daten zeigen, dass eine radikale Prostatektomie nach IRE technisch gut durchführbar ist und bislang sehr gute funktionelle Ergebnisse erzielt wurden – diese scheinen denen einer primären Prostatektomie nahezukommen.
Ausgewählte Literatur
- van Riel LAMJG, et al. Outcomes of salvage radical prostatectomy after initial IRE for recurrent prostate cancer. BJU International. 2022;130:611–618.
- Blazevski A, et al. Salvage robot-assisted radical prostatectomy following focal ablation with IRE. BMC Urology. 2022;22:29.
- Blank F, et al. Salvage Radical Prostatectomy after Primary Focal Ablative Therapy: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cancers. 2023;15:2727.
- Thompson JE, et al. Peri-operative, functional and early oncologic outcomes of salvage robotic-assisted radical prostatectomy following HIFU focal ablation. Urologic Oncology. 2020.
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