1. Was ist eine Harnröhrenstriktur?
Eine Harnröhrenstriktur ist eine narbige Verengung der Harnröhre. Die Harnröhre ist der Kanal, durch den der Urin aus der Blase nach außen abgegeben wird. Wenn sich dieser Kanal verengt, kann der Urin schlechter oder nur unter Druck abfließen.
Typische Beschwerden sind:
- schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
- verlängerte Dauer beim Wasserlassen
- häufiges Wasserlassen, auch nachts
- Restharngefühl (Blase wird nicht vollständig leer)
- wiederkehrende Harnwegsinfekte
- in schweren Fällen Harnverhalt (akute Unfähigkeit zu urinieren)
Die Ursache ist meist Narbengewebe, zum Beispiel nach Entzündungen, Verletzungen, Katheterisierungen oder Operationen. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.
2. Klassische Behandlung: Operation mit Schleimhauttransplantation
Bei längeren oder wiederkehrenden Harnröhrenverengungen ist die sogenannte Harnröhrenrekonstruktion (Urethroplastik) der klassische Standard.
Dabei wird die verengte Stelle operativ eröffnet und mit körpereigener Schleimhaut „verstärkt“ oder ersetzt. Häufig wird dafür Gewebe aus der Mundschleimhaut (Wange oder Unterlippe) entnommen.
Vorteile dieser Methode:
- sehr hohe langfristige Erfolgsrate
- besonders geeignet bei langen oder komplexen Engstellen
- gilt als „Goldstandard“ in der Urologie
Nachteile:
- größere Operation mit Vollnarkose
- stationärer Krankenhausaufenthalt
- zusätzliche Wunde im Mund (Schmerzen, Heilung erforderlich)
- längere Erholungszeit
- Risiko von Komplikationen wie Nachblutung, Infektion oder erneuter Verengung
3. Neue minimalinvasive Alternative: Optilume®-Katheter
Der Optilume®-Katheter ist eine neuere, minimalinvasive Behandlungsmethode für ausgewählte Harnröhrenstrikturen. Dabei handelt es sich um einen Ballonkatheter, der zusätzlich mit einem Medikament beschichtet ist.
Das Prinzip kombiniert zwei Effekte:
- Mechanische Erweiterung der verengten Harnröhre durch einen Ballon
- Medikamentöse Wirkung (meist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Zellwachstumshemmer), der die Narbenbildung reduzieren soll
Das Ziel ist, die Harnröhre zu erweitern und gleichzeitig das Wiederauftreten der Verengung zu verringern.
4. Ablauf der Behandlung mit Optilume®
Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant oder mit kurzem stationären Aufenthalt.
Schritt für Schritt:
- Zunächst wird die Engstelle mittels Spiegelung (Zystoskopie) beurteilt
- Der Optilume®-Katheter wird in die Harnröhre eingeführt
- Der Ballon wird an der verengten Stelle aufgeblasen und erweitert die Harnröhre
- Gleichzeitig wird das Medikament in die Schleimhaut abgegeben

In vielen Fällen wird danach vorübergehend ein Blasenkatheter eingelegt, um die Heilung zu unterstützen.
5. Für wen ist Optilume geeignet?
Der Optilume®-Katheter ist nicht für alle Patienten geeignet. Er wird meist eingesetzt bei:
- kurzen bis mittellangen Engstellen
- wiederkehrenden Strikturen nach vorheriger Behandlung
- Patienten, die eine größere Operation vermeiden möchten
- bestimmten Lokalisationen in der vorderen Harnröhre
Nicht geeignet ist die Methode oft bei:
- sehr langen oder komplexen Strikturen
- ausgeprägtem Narbengewebe
- bestimmten anatomischen Besonderheiten
- schweren Voroperationen im betroffenen Bereich
6. Vorteile des Optilume®-Verfahrens
- minimalinvasiv (kein offener chirurgischer Eingriff)
- keine Gewebeentnahme aus dem Mund
- kurze Behandlungsdauer
- meist schnelle Rückkehr in den Alltag
- weniger belastend als eine große Operation
Für viele Patienten ist besonders attraktiv, dass kein zusätzlicher Operationsbereich (z. B. Mundschleimhaut) benötigt wird.
7. Grenzen und mögliche Nachteile
Auch wenn das Verfahren vielversprechend ist, gibt es wichtige Einschränkungen:
- nicht für alle Strikturtypen geeignet
- Langzeitergebnisse sind zwar gut untersucht, aber nicht so umfassend wie bei der klassischen Operation
- es besteht weiterhin ein Risiko, dass die Verengung zurückkehrt
- bei erneutem Auftreten kann trotzdem eine Operation nötig werden
Mögliche Nebenwirkungen können sein:
- Reizung oder Brennen beim Wasserlassen
- Blut im Urin für kurze Zeit
- vorübergehende Schmerzen
- selten Infektionen
8. Vergleich: Optilume vs. Schleimhauttransplantation
| Kriterium | Optilume®-Katheter | Schleimhauttransplantation |
| Eingriffsart | minimalinvasiv | offene Operation |
| Narkose | meist kurz oder Teilnarkose | Vollnarkose |
| Krankenhausaufenthalt | kurz oder ambulant | meist mehrere Tage |
| Erholungszeit | kurz | mehrere Wochen |
| Zusatzwunden | keine | häufig Mundschleimhaut |
| Langfristige Stabilität | gut bei passenden Fällen | sehr hoch (Goldstandard) |
| Einsatzgebiet | ausgewählte Strikturen | alle komplexen Formen |
9. Einordnung: Warum gibt es beide Verfahren?
Die Behandlung der Harnröhrenstriktur ist nicht „entweder oder“, sondern individuell.
- Die klassische Operation mit Transplantat bleibt die zuverlässigste Methode bei komplexen oder langen Engstellen.
- Der Optilume®-Katheter bietet eine weniger belastende Alternative für ausgewählte Patienten, insbesondere wenn man einen operativen Eingriff vermeiden oder hinauszögern möchte.
Oft wird die Entscheidung gemeinsam zwischen Patient und Urologin/Urologen getroffen – abhängig von Strikturtyp, Beschwerden, Vorgeschichte und persönlichen Wünschen.
10. Fazit
Die Behandlung von Harnröhrenverengungen hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Neben bewährten chirurgischen Verfahren stehen heute auch minimalinvasive Optionen wie der Optilume®-Katheter zur Verfügung.
Der Optilume®-Ansatz kann für geeignete Patienten eine gute Alternative sein, insbesondere wenn eine größere Operation vermieden werden soll. Dennoch bleibt die klassische Rekonstruktion mit Schleimhauttransplantation in vielen Fällen die stabilste Langzeitlösung.
Eine individuelle urologische Abklärung ist entscheidend, um die passende Therapie zu wählen.