Prostatakrebs ist mehr als ein lokaler Tumor
Prostatakrebs wird häufig noch immer vor allem als lokales Problem betrachtet: Ein Tumor entsteht in der Prostata und soll dort entfernt, bestrahlt oder zerstört werden. Diese Sichtweise greift aus unserer Sicht zu kurz.
Bei VITUS betrachten wir Prostatakrebs nicht als rein lokale Erkrankung. Auch wenn der sichtbare Tumor zunächst in der Prostata nachweisbar ist, steht er in enger Wechselwirkung mit dem gesamten Organismus. Tumorbiologie, Immunreaktion, Entzündung, Mikrometastasen und mögliche systemische Ausbreitungsmechanismen müssen deshalb von Anfang an in die Therapieplanung einbezogen werden.
Unser Ziel ist nicht nur, Tumorgewebe lokal zu behandeln. Unser Ziel ist es, Prostatakrebs biologisch zu verstehen und daraus ein möglichst präzises, individuelles und schonendes Behandlungskonzept abzuleiten.
Präzision beginnt mit Diagnostik
Eine sinnvolle Therapie setzt voraus, dass der Tumor möglichst genau verstanden wird. Deshalb beginnt die Behandlung bei VITUS mit einer sorgfältigen Diagnostik: moderner Bildgebung, gezielter Befundauswertung und – wenn notwendig – präzisen Biopsieverfahren.
Erst wenn Lage, Ausdehnung, Aggressivität und biologische Besonderheiten des Tumors verstanden sind, lässt sich entscheiden, welche Behandlung sinnvoll ist. Nicht jeder Patient braucht dieselbe Therapie. Und nicht jede Therapie, die technisch möglich ist, ist auch medizinisch sinnvoll.
Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zur Prostatakrebsdiagnostik.
Fokale Therapie: gezielt behandeln, Lebensqualität erhalten
Ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes ist die fokale Therapie. Dabei wird nicht automatisch die gesamte Prostata entfernt oder bestrahlt, sondern der relevante Tumorbereich möglichst gezielt behandelt.
Besonders wichtig ist dabei der Erhalt von Lebensqualität. Kontinenz, Potenz, körperliche Belastbarkeit und Erholungszeit spielen für viele Patienten eine entscheidende Rolle. Deshalb setzen wir auf Verfahren, die Tumorgewebe wirksam behandeln und gleichzeitig gesunde Strukturen so weit wie möglich schonen.
Zu diesen Verfahren gehört insbesondere die Irreversible Elektroporation, bekannt durch das NanoKnife®-Verfahren. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zur IRE-Therapie mit dem NanoKnife®.
Elektroporation als biologischer Impuls
Elektroporationsbasierte Verfahren sind für uns nicht nur technische Methoden zur lokalen Tumorbehandlung. Sie passen zu einem grundlegenden biologischen Verständnis von Krebs.
Bei der Irreversiblen Elektroporation werden Tumorzellen durch elektrische Felder geschädigt, während wichtige Strukturen wie Nerven, Gefäße und Bindegewebe möglichst erhalten bleiben. Bei der Elektrochemotherapie werden elektrische Impulse genutzt, um Tumorzellen für bestimmte Wirkstoffe besser zugänglich zu machen.
Diese Verfahren sind deshalb besonders interessant, weil sie nicht nur lokal wirken können. Durch die Behandlung von Tumorzellen können Tumorbestandteile freigesetzt werden, die für das Immunsystem relevant sind. Dadurch kann eine lokale Behandlung unter bestimmten Voraussetzungen auch ein immunologisches Signal setzen.
Mehr zu diesen Verfahren erfahren Sie auf unseren Seiten zu Elektrochemotherapie und IR-ECT.
Das Tumormilieu mitdenken
Krebszellen existieren nicht isoliert. Sie befinden sich in einem Tumormilieu aus Immunzellen, Blutgefäßen, Bindegewebe, Entzündungssignalen und hemmenden biologischen Mechanismen.
Gerade Prostatakrebs gilt häufig als immunologisch schwer zugänglich. Das Immunsystem erkennt den Tumor oft nicht ausreichend oder wird im Tumormilieu gehemmt. Deshalb betrachten wir lokale Therapie, Immuntherapie und Priming nicht getrennt voneinander, sondern als Bausteine eines gemeinsamen Behandlungskonzepts.
Immuntherapie: die Immunantwort therapeutisch nutzen
Ein zentraler Bestandteil unseres heutigen Denkens ist die Frage, wie das Immunsystem stärker in die Behandlung von Prostatakrebs einbezogen werden kann. Immuntherapien zielen nicht primär darauf ab, Tumorzellen direkt zu zerstören, sondern die körpereigene Immunantwort gegen den Tumor zu aktivieren oder zu verstärken.
Dabei können je nach Situation immuntherapeutische Ansätze wie Checkpoint-Inhibitoren eine Rolle spielen. Sie sollen hemmende Signale lösen, durch die Tumoren der Immunabwehr entkommen können. Entscheidend ist jedoch, dass Immuntherapie bei Prostatakrebs nicht isoliert betrachtet werden sollte. Gerade weil Prostatakrebs häufig immunologisch schwer zugänglich ist, muss die lokale Tumorbehandlung mitgedacht werden.
Deshalb kombinieren wir bei VITUS immuntherapeutische Ansätze mit fokalen und elektroporationsbasierten Verfahren. Die lokale Behandlung soll nicht nur Tumorgewebe kontrollieren, sondern auch Tumorantigene freisetzen und damit eine Grundlage für eine stärkere Immunantwort schaffen.
Priming: den Tumor auf die Immuntherapie vorbereiten
Priming bedeutet, das Tumor- und Immunmilieu gezielt auf die weitere Behandlung vorzubereiten. Ziel ist es, Tumorantigene besser sichtbar zu machen, Immunzellen zu aktivieren und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass fokale Therapie und Immuntherapie sinnvoll zusammenwirken können.
Der sichtbare Tumor wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines biologischen Systems. Dieser Ansatz steht für das, was VITUS unter moderner Krebsbehandlung versteht: nicht schematisch, nicht rein lokal, sondern individuell, biologisch und immunologisch gedacht.
Von lokaler Tumorkontrolle zu systemischem Denken
Viele klassische Therapien verfolgen vor allem ein lokales Ziel: Der Tumor soll entfernt, bestrahlt oder zerstört werden. Das kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Aber bei Prostatakrebs ist die entscheidende Frage oft größer.
Wie aggressiv ist der Tumor?
Gibt es Hinweise auf systemische Aktivität?
Wie reagiert das Immunsystem?
Welche Therapie kann den Tumor lokal kontrollieren und gleichzeitig biologische Prozesse günstig beeinflussen?
Bei VITUS versuchen wir, diese Fragen gemeinsam zu beantworten. Deshalb verbinden wir moderne Diagnostik, fokale Therapie, Elektroporation, immunologische Konzepte und klinische Erfahrung zu einem individuellen Behandlungskonzept.
Innovation mit Verantwortung
VITUS war von Beginn an durch medizinische Innovation geprägt. Die Klinik gehört zu den frühen Zentren für die Anwendung der IRE bei Prostatakrebs und hat elektroporationsbasierte Verfahren über viele Jahre weiterentwickelt.
Innovation bedeutet für uns jedoch nicht, jede neue Methode unkritisch einzusetzen. Entscheidend ist, ob ein Verfahren medizinisch sinnvoll ist, ob es zu unserer Erfahrung passt und ob es Patienten eine realistische zusätzliche Perspektive bieten kann.
Deshalb entwickeln wir unser Behandlungsspektrum gezielt weiter: von NanoKnife® über IR-ECT und Elektrochemotherapie bis hin zu immuntherapeutischen Kombinationen, photodynamischer Therapie und Priming-Konzepten.
Mehr über die Entwicklung der Klinik erfahren Sie auf unserer Seite Historie.
Über Prostatakrebs hinaus
Obwohl VITUS traditionell vor allem auf Prostatakrebs spezialisiert ist, folgt unsere medizinische Philosophie einem größeren Prinzip: Wir integrieren spezialisierte und innovative Behandlungen dort, wo sie medizinisch sinnvoll sind und in das klinische Umfeld der Privatklinik passen.
Dazu gehört die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachärzten, etwa bei komplexen Eingriffen im Augen- und Gesichtsbereich, bei ausgewählten interventionell-onkologischen Verfahren oder bei weiteren spezialisierten Behandlungen wie BVNA.
Auch die Verbindung zu ANOVA, unserem hauseigenen Zentrum für regenerative Medizin und Stammzell-basierte Therapiekonzepte, folgt diesem Gedanken: Moderne Medizin entsteht dort, wo unterschiedliche Fachrichtungen zusammenarbeiten und neue Verfahren verantwortungsvoll in die klinische Anwendung gebracht werden.
VITUS steht deshalb nicht nur für eine einzelne Methode, sondern für eine Haltung: Medizin soll präziser, individueller und schonender werden – ohne den Blick für den gesamten Menschen zu verlieren.
Sprechen Sie mit uns
Wenn Sie wissen möchten, ob eine Behandlung bei VITUS für Ihre Situation infrage kommt, können Sie uns Ihre medizinischen Unterlagen zur ersten Einschätzung zusenden.
Unser Team prüft Ihre Befunde und bespricht mit Ihnen, welche diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sinnvoll sein könnten.